Aktivierung und berufl. Eingliederung

Die Zulassung von Maßnahmen nach AZAV erfordert inzwischen von allen Beteiligten umfangreiches Wissen.

Viele Besonderheiten aber auch nicht veröffentlichte Anforderungen und leider sehr viel Interpretationsspielraum führen dazu, dass Sie als Träger mehr Informationen benötigen um Ihre Maßnahmen erfolgreich zulassen zu können.

Was geht und was geht nicht?

Im Bereich FbW (berufl. Weiterbildung) herrscht überwiegend Klarheit und sind auch die Anforderungen der Bundesagentur für Arbeit gut dokumentiert.

Im Bereich Aktivierung und berufliche Eingliederung sieht es hingegen anders aus!

§ 45 Abs. 1 Nr. 1-5 AZAV: Fachbereich 1

Aktivierung und berufl. Eingliederung werden Maßnahmen zugelassen, die:

  • den Teilnehmer an den Arbeitsmarkt heranführen,
  • Vermittlungshemmnisse feststellen, verringern bzw. beseitigen,
  • (Vermitteln in eine versicherungspfl. Beschäftigung)*,
  • den Teilnehmer an eine Selbständigkeit heranführen oder
  • eine Beschäftigungsaufnahme stabilisieren (TN: SGB II)

* Die Vermittlung in eine versicherungspflichtige Beschäftigung ist der Arbeitsvermittlung zugeordnet, hier werden keine Maßnahmen zugelassen s. Private Arbeitsvermittlung.

Gestaltung – Struktur der Aktvierungsmaßnahmen

Die Maßnahmen können Sie wie folgt strukturieren:

  • Einzelmaßnahme/ Einzelcoaching,
  • Gruppenmaßnahme/ Gruppencoaching,
  • Gruppenmaßnahme mit begleitendem Einzelcoaching
  • Praktikum/ Anteile beim Arbeitgeber (auch parallel od. optional)

Wichtige Änderungen zum 01.08.16 (AWStG) siehe unten..

Inhalte von Aktivierungsmaßnahmen

Heranführen an den Arbeitsmarkt (§ 45…Nr. 1)
Früher waren das eher Trainingsmaßnahmen zu den Themen Bewerbung, Arbeitsmarktorientierung und Selbsteinschätzung der eigenen Fähigkeiten
(in Bezug auf die arbeitsmarktl. Anforderungen).

Teile dieser Maßnahmen können auch Gesundheitsthemen (z.B. die richtige Ernährung), Schuldnerberatung sowie die Begleitung zu Ämtern und Behörden beinhalten. Diese dürfen jedoch nicht Hauptbestandteil sein.

Ebenso sind ärztl. und psychologische Gutachten zur Feststellung der Arbeitsfähigkeit bzw. der Vermittlungshemmnisse denkbar
(siehe auch Änderungen zum 01.08.16, weiter unten auf dieser Seite).

Die Dauer dieser Maßnahmen sind zeitlich nicht begrenzt.

NICHT in diese Maßnahmen gehört die berufliche Kenntnisvermittlung!

Feststellen, Verringern und Beseitigen von Vermittlungshemmnissen
(§ 45… Nr.2)

Stellen Sie fest, welche Kenntnisse ein Teilnehmer hat, vermitteln Sie Kenntnisse oder versuchen Sie Vermittlungshemmnisse zu erkennen und zu beseitigen um den Teilnehmer bei der Eingliederung in den Arbeitsmarkt zu unterstützen.

Inhalte und Dauer:

  • berufliche Kenntnisvermittlung max. 8 Wochen
    (auch weiterhin nur 8 Wochen!, s. Änderungen 01.08.16)
  • Anteileteile bei einem Arbeitgeber* max. 6 Wochen oder:
    • bei Teilnehmern aus dem Rechtskreis SGB II
      (Langzeitarbeitslose, schwerwiegende Vermittlungshemmnisse),
      bis zu 12 Wochen

01.08.16 – AWStG – Wichtige Änderungen

Bitte laden Sie sich die neuen Weisungen aus dem Downloadbereich (früher GA-MAT, GA MAG usw.) herunter. Änderungen sind gelb angestrichen!

Zu den Änderungen gehören:

  • Die Dauer der Maßnahmeanteile bei einem Arbeitgeber dürfen nun für Teilnehmer aus dem Bereich SGB II immer 12 Wochen betragen.
    Das gilt jetzt nicht nur für Teilnehmer mit schwerwiegenden Vermittlungshemmnissen sondern auch für Langzeitarbeitslose!
    Die 12 Wochen dürfen nicht überschritten werden (§ 45 NEU: Abs. 8).
  • Die auf 8 Wochen begrenzte Kenntnisvermittlung wurde konkretisiert. Der Umfang wird mit 320 UE = 8 Wochen x 40 UE beschrieben.
    Die Kenntnisvermittlung darf auch nach dieser Aktualisierung nicht mehr als 8 Wochen betragen! (auch wenn es anderweitige Meldungen im Netz geben sollte!) D.h. auch bei Teilzeit nur 8 Wochen!
  • Die Maßnahmeinhalte sind an mindestens 2 Tagen/ Woche zu vermitteln. Das bedeutet ein 1x-wöchentliches Coaching entspricht nicht diesen neuen Anforderungen. (gilt nicht für bereits zugelassene Maßnahmen, sondern erst für die Maßnahmezulassung ab 01.08.16)
  • Die Durchführung diagnostischer oder therapeutischer Inhalte, die in die Zuständigkeit der Krankenkassen oder Reha-Träger fallen, ist von der Förderung ausdrücklich ausgeschlossen. Stehen entsprechende Problemlagen im Vordergrund, werden die Kundinnen und Kunden an den zuständigen Sozialleistungsträger verwiesen.
  • Die Vermittlungs- und Beratungsfachkraft darf aufgrund ihrer Neutralitätspflicht und aus wettbewerbsrechtlichen Gründen keine bestimmten Maßnahmeträger empfehlen. Eine Zuweisung ist nicht zulässig!
  • Ausländerinnen und Ausländer, …die eine gute Bleibeperspektive haben und aufgrund des § 61 Asylgesetzes keine Erwerbstätigkeit ausüben dürfen, können bis 31. Dezember 2018 eine Förderung nach § 45 SGB III erhalten.
    Zu den förderfähigen Personen mit Migrationshintergrund gehören Teilnehmer aus zZt. Syrien, Iran, Irak, Eritrea.
    >> weitere Info auf der Seite Asylbewerber/ Migranten

*Unterschied Maßnahmeteile bei einem Arbeitgeber/ Praktika

Der Unterschied zwischen beiden erklärt sich wie folgt:

Praktika: der Teilnehmer stellt fest, was zu den Inhalten des Berufes gehört und ob er sich vorstellen kann, in diesem Tätigkeitsfeld zu arbeiten („Kennenlernen“)

Maßnahmeteile bei einem Arbeitgeber: sie dienen der Feststellung welche Kenntnisse der Teilnehmer hat und ob diese für die Berufsausübung ausreichen.