Aktivierung und berufliche Eingliederung

Die Zulassung von Maßnahmen nach AZAV erfordert inzwischen von allen Beteiligten umfangreiches Wissen.

Viele Besonderheiten aber auch nicht veröffentlichte Anforderungen und leider sehr viel Interpretationsspielraum führen dazu, dass Sie als Träger mehr Informationen benötigen um Ihre Maßnahmen erfolgreich zulassen zu können.

Was geht und was geht nicht?

  • Im Bereich FbW (berufl. Weiterbildung) herrscht überwiegend Klarheit und sind auch die Anforderungen der Bundesagentur für Arbeit gut dokumentiert.
  • Im Bereich Aktivierung und berufliche Eingliederung sieht es hingegen anders aus!

§ 45 Abs. 1 Satz 1, Nr. 1-5 entspricht dem Fachbereich 1 der AZAV

Aktivierung und berufliche Eingliederung hier werden Maßnahmen zugelassen, die nach:

  • Nr. 1 – den Teilnehmer an den Arbeitsmarkt heranführen,
  • Nr. 2 – Vermittlungshemmnisse feststellen, verringern bzw. beseitigen,
  • Nr. 3 – (Vermitteln in eine versicherungspflichtige Beschäftigung)*,
  • Nr. 4 – den Teilnehmer an eine Selbständigkeit heranführen oder
  • Nr. 5 – eine Beschäftigungsaufnahme stabilisieren (Teilnehmer aus dem SGB II)

* Die ausschließlich entgeltliche Vermittlung in eine versicherungspflichtige Beschäftigung ist der Arbeitsvermittlung zugeordnet, hier werden keine Maßnahmen zugelassen siehe Private Arbeitsvermittlung.

Gestaltung – Struktur der Aktvierungsmaßnahmen

Die Maßnahmen können Sie wie folgt strukturieren:

  • Einzelmaßnahme/ Einzelcoaching,
  • Gruppenmaßnahme/ Gruppencoaching,
  • Gruppenmaßnahme mit begleitendem Einzelcoaching
  • Praktikum oder
  • Anteile beim Arbeitgeber (beides: nach-, parallel- oder auch optional zur Maßnahme)
    Zum Unterschied Praktikum/ Maßnahmeteile bei einem Arbeitgeber siehe ganz unten auf dieser Seite!
  • Die Maßnahmeinhalte sollten an mindestens 2 Tagen/ Woche vermittelt werden. Das bedeutet ein 1x-wöchentliches Coaching entspricht nicht diesen neuen Anforderungen.
    Einige Jobcenter legen diese Vorgabe anders aus und „wünschen sich (!)“ auch eine nur 1x wöchentliche Durchführung. (Lassen Sie sich das schriftlich geben, denn der Prüfdienst könnte das anders sehen!).
  • Die Vermittlungs- und Beratungsfachkraft darf aufgrund ihrer Neutralitätspflicht und aus wettbewerbsrechtlichen Gründen keine bestimmten Maßnahmeträger empfehlen.
    Eine Zuweisung ist nicht zulässig! Auch dieser Punkt wird von vielen Jobcentern anders gesehen!
  • Ausländerinnen und Ausländer, […] die eine gute Bleibeperspektive haben und aufgrund des § 61 Asylgesetzes keine Erwerbstätigkeit ausüben dürfen, können bis 31. Dezember 2018 eine Förderung nach § 45 SGB III erhalten.
    Zu den förderfähigen Personen mit Migrationshintergrund gehören Teilnehmer aus zZt. Syrien, Iran, Irak, Eritrea.
    >> weitere Info auf der Seite Asylbewerber/ Migranten

Die Änderungen vom 01.08.16 (AWStG) wurden in die aktuellen Fachlichen Weisungen (weisung-ga-mat) aufgenommen (siehe Downloadbereich)

Inhalte von Aktivierungsmaßnahmen

Heranführen an den Arbeitsmarkt (§ 45 Abs. 1 Satz 1, Nr.1)

  • Früher waren das eher Trainingsmaßnahmen zu den Themen Bewerbung, Arbeitsmarktorientierung und Selbsteinschätzung der eigenen Fähigkeiten (in Bezug auf die arbeitsmarktlichen Anforderungen).
    Das ist auch weiterhin Inhalt dieser Maßnahmen.
  • Teile dieser Maßnahmen können auch Gesundheitsthemen (z.B. die richtige Ernährung), Schuldnerberatung sowie die Begleitung zu Ämtern und Behörden beinhalten. Diese dürfen jedoch nicht Hauptbestandteil sein.
  • Ebenso sind Profilings, ärztliche und psychologische Gutachten zur Feststellung der Arbeitsfähigkeit bzw. der Vermittlungshemmnisse denkbar.
    Jedoch: die Durchführung diagnostischer oder therapeutischer Inhalte, die in die Zuständigkeit der Krankenkassen oder Reha-Träger fallen, ist von der Förderung ausdrücklich ausgeschlossen. Stehen entsprechende Problemlagen im Vordergrund, werden die Kundinnen und Kunden an den zuständigen Sozialleistungsträger verwiesen.
  • Die Dauer dieser Maßnahmen sowie auch die Praktika sind zeitlich nicht begrenzt.
  • NICHT in diese Maßnahmen gehört die berufliche Kenntnisvermittlung!

Feststellen, Verringern und Beseitigen von Vermittlungshemmnissen
(§ 45 Abs. 1 Satz 1, Nr.2)

  • Vermitteln Sie berufliche Kenntnisse oder versuchen Sie Vermittlungshemmnisse zu erkennen und zu beseitigen um den Teilnehmer bei der Eingliederung in den Arbeitsmarkt zu unterstützen.
  • Auch die Vermittlung berufsbezogener Sprachkenntnisse gehört in diesen Bereich, z. b. „Deutsch für Pflegeberufe“.

Dauer:

  • berufliche Kenntnisvermittlung max. 8 Wochen:
    der Umfang wurde konkretisiert mit 320 Unterrichtseinheiten (UE) = 8 Wochen x 40 UE.
    Die Kenntnisvermittlung darf auch nach dieser Aktualisierung vom 01.08.16 nicht mehr als 8 Wochen betragen! (auch wenn es anderweitige Meldungen im Netz geben sollte!)
    D.h. auch bei Teilzeit ist nur eine Dauer von 8 Wochen möglich!
  • Maßnahmeanteile bei einem Arbeitgeber dürfen max. 6 Wochen dauern.
    ABER: für Teilnehmer aus dem Bereich SGB II max. 12 Wochen*. Diese gelten für Teilnehmer mit schwerwiegenden Vermittlungshemmnissen und für alle Langzeitarbeitslosen!
    *Da fast alle Teilnehmer mit einem Aktivierungsgutschein über das Jobcenter kommen, sind eigentlich immer 12 Wochen Anteile bei einem Arbeitgeber möglich.
  • Die 12 Wochen dürfen nicht überschritten werden (§ 45 NEU: Abs. 8).

01.08.16 – AWStG – Änderungen zu Aktivierungsmaßnahmen

Alle Einzelheiten aus dem AWStG wurden inzwischen in die aktuellen Fachlichen Weisungen übernommen.

Bitte laden Sie sich die aktuellen Weisungen (weisung-mat-aktivierung)  aus dem Downloadbereich (früher GA-MAT, GA MAG usw.) herunter.

Unterschied Praktikum/ Maßnahmeteile bei einem Arbeitgeber

Der Unterschied zwischen beiden erklärt sich wie folgt:

Praktikum: ist die Mitarbeit am Arbeitsplatz unter fachlicher Anleitung.

Maßnahmeteile bei einem Arbeitgeber: sie dienen der Feststellung welche Kenntnisse der Teilnehmer hat und ob diese für die Berufsausübung ausreichen.